22.12. Interview mit Claudia Major

Frau Dr. Claudia Major ist eine renommierte und gefragte Expertin für Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Europa. Sie wird häufig in den Medien mit ihrer Meinung präsentiert. Allerdings kennt sie als Sicherheitsexpertin nur eine Form der Verteidigung, die militärische. Deshalb ist dieses Interview für Friedensfreundinnen nicht erfreulich.

Was im Interview gesprochen wird, ist zwar für Friedensfreundinnen schwer zu ertragen. Doch es lohnt sich, die bellizistischen (1) Thesen und Argumente mal quasi "life" zu erleben und sich die eigenen Positionen damit abzugleichen.

Mich hat an dem Interview von Maja Göpel mit Frau Major unangenehm überrascht, wie kritiklos Frau Göpel die bellizistischen Positionen von Frau Major stehen lässt. Bisher kenne ich Frau Göpel als einen fortschrittlichen Menschen, der besonders für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sehr sachkundig engagiert ist. Dies passt für mich überhaupt nicht mit den Positionen für militärische Verteidigung von Frau Major zusammen.

Militärische Verteidigung steht schon in Friedenszeiten für mehr als 5 % der weltweit ausgestoßenen klimaschädlichen Gase. In Kriegszeiten kommen noch Unmengen an klima- und umweltschädlichen Zerstörungen hinzu. Ganz zu schweigen von den Menschenleben, die dabei vorzeitig enden.

Die Podcastreihe läuft unter dem Thema "Globale Sicherheit NEU DENKEN". Doch was ist an den Thesen von Frau Major neu? Seit mehr als 2.000 Jahren heißt es "Wer den Frieden will, bereite den Krieg vor!". Nichts von dem, was Frau Major vorträgt, ist neu. Neue wäre: "Wer den Frieden will, bereite den Frieden vor!". Doch dazu verlieren beide Frauen kein einziges Wort.

Als Wissenschaftlerin sollte Frau Dr. Major auch das Sicherheitsdilemma bei Aufrüstung bekannt sein. Rüstet ein Staat zu seiner Sicherheit auf, so erzeugt dies Unsicherheit bei den Nachbarstaaten. Also rüsten diese auch auf, um sich wieder sicher fühlen zu können. Dieses Dilemma für unweigerlich zu einer Rüstungsspirale.

Frau Major bezieht sich bei ihren Ausführungen vor allem auf den aktuellen Krieg in der Ukraine. Sie befürwortet Aufrüstung und Diplomatie. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die EU-Mitgliedstaaten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ihre diplomatischen Beziehungen mit Moskau weitgehend eingestellt haben." (2) Damit fällt Diplomatie für Regierungen der EU und Großbritannien aus. Übrig bleibt nur noch Aufrüstung, Aufrüstung, ...


(1) Bellizismus (Quelle: Wikipedia)

Der Begriff steht für das dogmatische Befürworten militärischer Handlungen und Maßnahmen, für eine übersteigerte kriegerische Gesinnung und wird auch im Sinn von Kriegstreiberei und Militarismus gebraucht. Er bezeichnet eine ideologische Befürwortung des Krieges und die Neigung, internationale Konflikte grundsätzlich durch militärische Gewalt zu lösen.

(2) "Europa möchte in den Ukraineverhandlungen eine tragende Rolle spielen. Aber das funktioniert nicht" (Quelle: nd-aktuell.de)

 

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