12.7. Zwölf Tote in einem Flussbett – und die AfD wünscht schönen Sommer

Über Facebook bin ich auf einen sehr interessanten Text aufmerksam geworden: "Zwölf Tote in einem Flussbett – und die AfD wünscht schönen Sommer". Der Autor des Textes erklärt ausführlich und gut verständlich, warum die rechten Kommentatoren den ernst der Lage verleugnen.

In der Gegend von Almeira hatte ich vor wenigen Jahren einmal Urlaub gemacht. Zuerst in der Wüste von Tarbanas, später in dem heute vom Waldbrand betroffenen Gebiet. Auf dem Campingplatz überraschte mich und viele andere Menschen ein besonders heftiger Starkregen. Der Campingplatz und auch die ganze Gegend stand unter Wasser, die Straßen waren nicht befahrbar, weil es keine Brücken über die Flüsse und Bäche gab. In einer Wüste ist es nicht unbedingt nötig. Damals hatte die Klimakrise der Wüste, in der es in der Regel nur an einem Tag im Jahr mal regnet, eine Überschwemmung beschert.

Symbolbild: Ein ausgebranntes Auto in einem ausgetrockneten Flussbett nach einem Waldbrand. Das Bild zeigt keinen konkreten Ort und kein reales Ereignis, sondern steht stellvertretend für die zunehmenden Folgen extremer Hitze und Waldbrände, über die der folgende Beitrag berichtet.

Über 5.000 Hitzetote allein in Deutschland – und eine Partei macht Witze über Wetterkarten

Und ich weiß jetzt schon, was in den Kommentarspalten steht, wenn dieser Beitrag draußen ist. Nicht zum Brand – über tote Urlauber macht nicht mal die AfD Witze. Sondern zu dem Zusammenhang, den ich gerade aufgemacht habe. Irgendwer wird schreiben: “Waldbrände gab es schon immer, das hat mit Klima nichts zu tun.” Ein anderer: “Hitzewelle, Hitzewelle – es ist halt Sommer, früher hat man sich darüber gefreut.” Und genau für diese beiden schreibe ich heute. Nicht weil ich glaube, dass ich sie erreiche. Sondern weil die Leute daneben mitlesen.

Niemand fällt einfach tot um. Und genau das ist das Perfide.

Die zwölf Toten von Almería haben Namen bekommen, Kamerateams, einen trauernden König. Jetzt aber zu einer Zahl, die viel bedenklicher ist, denn sie steigt von Jahr zu Jahr – und anders als die Toten durch kriminelle Handlungen, über die dieses Land pausenlos diskutiert, füllt sie bereits eine ganze Kleinstadt: Das Robert Koch-Institut schätzt für Deutschland 5.120 hitzebedingte Sterbefälle – bis Ende Juni. Nicht für das Jahr. Bis Ende Juni. Der Extremsommer 2018, an den sich jeder als Ausnahme erinnert, brachte es auf rund 8.500 Tote im gesamten Jahr. Wir haben diese Marke zur Halbzeit schon zu mehr als der Hälfte gerissen.

“Genießt den Sommer, Leute”

Und jetzt kommen wir zu dem Teil, bei dem ich ehrlich gesagt Mühe habe, ruhig zu bleiben.

Während in Almería Forensiker verbrannte Autos öffnen, postet die AfD-Blase Wetterkarten. Die Erzählung kennst du: Früher war die Karte gelb und der Sommer schön, heute wird dieselbe Temperatur glutrot angemalt, um euch Angst zu machen. Ist doch nur Sommer, genießt ihn, lasst euch nicht verrückt machen von der Klimasekte. Das klingt so herrlich nach gesundem Menschenverstand, dass es Millionen Menschen teilen. Es hat nur einen Haken, und der ist nicht klein: Es ist gelogen, und zwar nachweislich, mit Ansage, seit Jahren.

Dabei ist die Sache längst erklärt, und zwar von der Tagesschau selbst, im eigenen Faktenfinder, nachlesbar für jeden, der zehn Minuten investieren mag. Die berühmten grünen Karten von “früher”, die in diesen Vergleichen kursieren, stammen meist aus den Tagesthemen – und die haben vor 2020 überhaupt keine Temperaturkarten gezeigt, sondern grünliche Satellitenbilder mit Sonnen- und Wolkensymbolen. Diese Karten waren immer grün, bei 12 Grad genauso wie bei 35, weil ihre Farbe schlicht nichts mit der Temperatur zu tun hatte. Erst 2020 wurde das Wetter der ARD-Sendungen im Kompetenzzentrum in Frankfurt gebündelt und das Design dem der Tagesschau angeglichen – die ihrerseits seit über dreißig Jahren Temperaturkarten mit Rottönen zeigt, nachweisbar bis in die Neunziger zurück. Dazu kommt eine saisonale Farbskala: 15 Grad sind im Januar mild und werden warm eingefärbt, im Juli sind sie kühl und erscheinen bläulich, sonst wäre im Hochsommer die halbe Karte einheitlich rot und man könnte 28 von 38 Grad nicht mehr unterscheiden. Und ja, die Farben sind heute satter als 2005 – genau wie alles andere im Fernsehen, weil HD-Auflösung und moderne Grafiksoftware ein größeres Farbspektrum darstellen. Wer also eine Tagesthemen-Symbolkarte von 2017 neben eine Temperaturkarte von heute legt, vergleicht einen Stadtplan mit einem Röntgenbild und wundert sich, dass sie verschieden aussehen.

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