23.3. Konzertierte Aktion für Flächenversiegelung

Letzte Woche ist sowohl in der Backnanger- wie in der Waiblinger-Kreiszeitung ein Artikel zum Flächenbedarf für neue Unternehmen veröffentlicht worden. Auch auf Landesebene trommeln die Industrieverbände für neue und größere Flächen. Dazu teilte ich den Redaktionen meine Gedanken mit.


Meine Mail an die Redaktionen und die Verantwortlichen in der CDU Kreisfraktion in der Kreisverwaltung:

Gedanken zum Artikel "Neuen Unternehmen fehlen Flächen"

WKZ vom 21. März 2025: „Rems-Murr-Klima- und Umweltschutz: Warum die Umsetzung von Klima- und Umweltschutzmaßnahmen so oft scheitert

BKZ vom 20. März 2025: „Platz für Klima- und Umweltschutz fehlt“

von Reinhard Muth

Die globale Erwärmung steigt von Jahr zu Jahr immer schneller. Die im Pariser Klimaabkommen angestrebte Grenze von 1,5° Erwärmung wurde im letzten Jahr schon überschritten. In Folge dieser Erwärmung kommt es zu immer häufigeren und immer schwereren Katastrophen, Überflutungen nach Starkregen wie im Mai 2024 im Wieslauf- und Remstal, Dürren, die die Wälder sterben lassen, witterungsbedingten Ausfällen in der Landwirtschaft usw. Inzwischen führen Hitzewellen im Sommer zu mehr Hitzetoten als Kältetoten im Winter. Bei einer so großen Bedrohung für Leben, Gesundheit und Hab und Gut sollten sich die Schutzmaßnahmen an vorderster Stelle in der politischen Agenda der Fraktionen und der Verwaltung finden lassen.

Eine dieser Maßnahmen ist der Schutz des Bodens, wie er 2015 im Kapitel 15 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele von den Regierungen weltweit vereinbart wurde. Auch unsere Bundesregierung hat sich zu diesen 17 Nachhaltigkeitszielen verpflichtet. Doch gerade ist das Gegenteil dazu zu hören und zu lesen. In einer konzertierten Aktion werben Industrieverbände auf allen Eben, ob bei der Landesregierung oder beim Landratsamt, für neue große Flächen. Und womit beschäftigt sich unser Kreistag? Mit dem Wunsch nach noch mehr Flächenversiegelung der Industrie statt mit der Zukunftsfähigkeit unseres Kreises angesichts den auf uns zurollenden Klimakatastrophen.

Flächenversiegelung schadet dem Allgemeinwohl gleich mehrfach. Zum Einen kann auf versiegelten Flächen das Regenwasser nicht mehr versickern und sorgt so für stärkere Überschwemmungen, die wiederum Hab und Gut, die Gesundheit und das Leben zahlreicher Menschen schädigen bzw. vernichten. Zum Anderen wird durch Flächenversiegelung die Aufnahme von klimaschädlichem CO2 blockiert. Die globale Erwärmung wird damit weiter beschleunigt. Zum Dritten fehlen uns die Flächen auch noch für die Nahrungsmittelproduktion. Angesichts der durch starke Veränderung des Wetters immer häufigeren Ernteausfälle und der weltweit steigenden Unsicherheiten für den Import von Nahrungsmitteln sollten wir unsere Selbstversorgung im Kreis mit Nahrungsmittel stärken statt schwächen. Zum Vierten wird auch die für unser Überleben so wichtige Artenvielfalt immer mehr reduziert.

Doch all das ficht die Industrieverbände nicht an. Ihr Ziel ist Wachstum, koste es was es wolle und wenn es die Zukunft der nachfolgenden Generationen ist. Hauptsache, die Konzerne können wachsen und ihre Besitzer eines Tages auch die Regierung stellen, wie aktuell in den USA. Wollen wir das wirklich? Ein paar neue Arbeitsplätze gegen neue und härtere Umweltkatastrophen eintauschen? Wachsen bis zum Umfallen? Die Grenzen des Wachstums sind spätestens seit 1972 bekannt. Wann werden endlich Konsequenzen daraus gezogen? Der Rems-Murr-Kreis ist inzwischen schon sehr dicht bebaut. Deshalb fehlen weitere Flächen für größere Industriebetriebe. Das sollte auch so bleiben.


Artikel als PDF-Datei:

WKZ vom 21. März 2025

BKZ vom 20. März 2025

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